Blutegel werden bereits seit Jahrhunderten medizinisch eingesetzt. Nach Zeiten sehr häufiger und teilweise unkritischer Anwendung hat die Blutegeltherapie heute wieder einen festen Platz in bestimmten Bereichen der Naturheilkunde und ergänzenden Medizin gefunden.
Für die Behandlung werden speziell für medizinische Zwecke gezüchtete Blutegel verwendet. Beim Saugen geben sie über ihren Speichel verschiedene biologisch aktive Substanzen in das Gewebe ab. Zu den bekanntesten gehört Hirudin, das die Blutgerinnung beeinflusst. Das Zusammenspiel der Speichelbestandteile und die charakteristische Nachblutung gehören zum Wirkprinzip der Behandlung.
Vor der Anwendung erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch. Dabei werden die Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamente berücksichtigt. Erst danach wird entschieden, ob eine Blutegeltherapie für die jeweilige Situation geeignet ist.
Die Blutegel werden gezielt an den vorgesehenen Hautstellen angesetzt. Dort beißen sie sich selbstständig fest und beginnen zu saugen. Der Biss wird häufig nur als kurzes Ziehen oder leichtes Brennen wahrgenommen. Während der Behandlung bleiben die Tiere an Ort und Stelle, bis sie sich nach ihrer Saugphase von selbst lösen.
Die Dauer kann von Tier zu Tier unterschiedlich sein. Ein Blutegel wird nicht gewaltsam entfernt, nur weil eine bestimmte Zeit erreicht ist.
Nach dem Ablösen des Blutegels blutet die kleine Bissstelle weiter. Diese Nachblutung ist ein erwarteter Bestandteil der Blutegeltherapie und kann mehrere Stunden anhalten. Deshalb werden die Stellen anschließend mit saugfähigem Verbandsmaterial versorgt.
Die kleinen Bissstellen benötigen danach Zeit zur Heilung. Vorübergehende Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz im Bereich der behandelten Stellen können auftreten. Wichtig ist, die Wunden nicht aufzukratzen und die Hinweise zur Nachsorge zu beachten.
Die Blutegeltherapie wird traditionell bei unterschiedlichen Beschwerdebildern eingesetzt. Bekannt ist ihre Anwendung insbesondere bei bestimmten Beschwerden des Bewegungsapparates sowie bei lokalen Problemen, bei denen Durchblutung, Schwellung oder entzündliche Vorgänge eine Rolle spielen.
Ob eine Behandlung im konkreten Fall sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht allein anhand einer Diagnose entscheiden. Beschwerden, allgemeiner Gesundheitszustand, Medikamente und mögliche Risiken müssen gemeinsam betrachtet werden.
Eine Blutegelbehandlung ist nicht für jeden Menschen geeignet. Besondere Aufmerksamkeit ist unter anderem bei Störungen der Blutgerinnung, Blutarmut, bestimmten Erkrankungen des Immunsystems, ausgeprägten Wundheilungsstörungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente erforderlich.
Deshalb gehört die medizinische Vorgeschichte immer zur Vorbereitung einer Behandlung. Medikamente dürfen wegen einer geplanten Blutegeltherapie nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden.
Wenn eine Blutegeltherapie in Betracht kommt, steht am Anfang die individuelle ärztliche Beurteilung. Dabei werden die aktuellen Beschwerden ebenso berücksichtigt wie Vorerkrankungen, Medikamente und mögliche Gegenanzeigen.
Auch die Nachsorge gehört zur Behandlung. Da die Bissstellen nach dem Ablösen der Blutegel weiterbluten können, werden sie entsprechend versorgt. Hinweise zum Umgang mit dem Verband und den Bissstellen erhalten Sie im Rahmen der Behandlung.
Wenn Sie wissen möchten, ob eine Blutegeltherapie für Ihre Beschwerden grundsätzlich infrage kommt, können wir dies in einem persönlichen Gespräch klären.
Allgemeine Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung. In einem individuellen Gespräch klären wir, was für Ihre Situation sinnvoll ist.